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Therapiemöglichkeiten

Konservative Therapiemaßnahmen

Die sogenannten „konservative Therapiemaßnahmen“, wie z. B. Schmerztabletten, Injektionen oder Physiotherapie führen bei derartigen Beschwerden praktisch nie zum gewünschten Erfolg.

Operativen Maßnahmen

Die „operativen Maßnahmen“ bieten ganz allgemein hingegen eine sehr gute Möglichkeit die Beschwerden deutlich zu lindern bzw. gänzlich zu heilen.
Dazu einige allgemeine Begriffe: Bei der Hüfte handelt es sich um ein sog. Kugelgelenk bestehend aus „Pfanne (Beckenknochen) und Kopf (Oberschenkelknochen)“.

Im Fall der Hüftgelenkabnützung kommt es zu einem teilweisen oder vollständigen Verschwinden des beiderseitigen Knorpelbelages, zunehmenden Verknöcherungen im Gelenkbereich und schließlich zu Veränderungen (Zysten, Sklerosierungen, etc.) des umgebenden Knochengewebes.
Hier eine schematische Darstellung ohne Weichteile (wie z.B. Muskeln, Haut, etc.):

Diese geschädigten, bzw. veränderten Bereiche müssen, soweit es für den Einbau des Kunstgelenkes erforderlich ist, entfernt werden. Dazu wird der Hüftkopf am sogenannten Schenkelhals durchgesägt und entfernt. Anschließend, wird die nun leere Beckenpfanne (sog. Azetabulum) mit Kugelfräsen angefrischt und damit für die Implantation der künstlichen Pfanne vorbereitet. Diese wird anschließend fest im Knochen verankert (meist durch starke Hammerschläge entsprechend dem „press-fit“-Prinzip = kontrollierte Druckvorspannung). Nun muss nurmehr ein neuer Hüftkopf (Durchmesser meist 32 oder 36 mm) eingebaut werden. Damit dieser aber befestigt werden kann, wird ein sog. Prothesenschaft in den hohlen Oberschenkelknochen eingeschlagen und durch Verklemmung (oder Zement) befestigt, danach kann der neue Hüftkopf aufgesetzt, und das Gelenk wieder zusammengeführt („reponiert“) werden. Durch die Kräfte der umgebenden Muskeln und Weichteile wird das neue Gelenk in der weiteren Folge zusammen gehalten.
Die Prothesen sind heutzutage meistens aus Titanlegierungen, an der Gelenkinnenseite = artikulierende Prothesenteile (Kopf und Inlay) werden in Abhängigkeit vom Patientenalter und anderen Umständen Keramik, Metall und Kunststoffe (meist hochverdichtetes Polyethylen) verwendet. Das Gesamtgewicht einer durchschnittlichen Endoprothese (Pfanne, Kopf, Schaft) beträgt ca. 400 Gramm.

Knopflochmethoden

In den letzten Jahren haben sich verschiedene neue Techniken, sogenannte „Knopflochmethoden“ (sog. minimal invasive Operationstechnik) etabliert. All diese Techniken helfen das Operationstrauma noch weiter zu vermindern und andere negative Folgen zu minimieren. Dadurch können die  Schmerzen nach der Operation deutlich reduziert und die frühzeitige Mobilisierung beschleunigt werden. Aber auch hier gibt es Unterschiede bei der Operationstechnik und damit den Ergebnissen zu beachten, denn es wird eine Vielzahl unterschiedlicher Knopflochmethoden weltweit angewandt.

Eigene Erfahrungen

Ich verwende nach mehreren Studienaufenthalten im In- und Ausland, sowie nach reichlich persönlichen Erfahrungen (mittlerweile deutlich mehr als 550 minimal invasiv implantierte Hüftgelenke) seit dem Jahr 2004 den sogenannten direkten vorderen Zugang zur Hüfte (engl.: „direct anterior approach“):

Ich bin davon überzeugt, dass diese Technik die besten Ergebnisse liefert, die geringsten Komplikationen hat und äußerst selten negative Folgen aufweist. Dabei ist nicht nur die Schnittlänge sehr gering (6-9 cm) ...

... sondern dieser Zugang weist weitere Vorteile auf, die ihn meiner Meinung nach über die anderen Techniken stellen:

  • So sind die postoperativen Schmerzen vergleichsweise gering
  • die Remobilisierung, also die Wiederaufnahme der Aktivitäten des täglichen Lebens, verläuft üblicherweise ausgesprochen rasch (also selbständiges Gehen, Autofahren etc.)
  • Luxationen (schmerzhaftes Herausspringen des Gelenkes) sind damit zur echten Rarität verkommen
  • Bleibende Lähmungen von Muskeln als Operationsfolge können so gut wie nie auftreten. Im Gegensatz zu anderen Techniken wird kein Muskelansatz geschädigt bzw. besteht keine Gefahr einen motorischen Nervenast zu durchtrennen, denn es wird in einer anatomisch vorgegebenen Lücke zwischen den Muskeln operiert:
  • Nach der Operation ist die Vollbelastung ab dem ersten Tag erlaubt, es sollten aber für einen Zeitraum von ca. 4 Wochen Krücken verwendet werden. Nach der Operation sollte man einen ca. 12-14 Tage dauernden Krankenhausaufenthalt einplanen. Dabei wird durch begleitende, intensive Physiotherapie (Gangschulung, Heilgymnastik, Muskeltraining, Lymphdrainage, etc.) ein weiterer Grundstein für den anhaltenden Erfolg des Kunstgelenkes gelegt und gleichzeitig die Notwendigkeit für einen weiteren, meist 3-wöchigen Rehabilitationsaufenthalt vermieden. Bei komplikationslosem Heilungsverlauf kann meist nach 6 Monaten sogar mit Sportausübung begonnen werden. Als empfohlene Sportarten gelten z.B. Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren, Wandern, Langlaufen. Sogar Skifahren und Tennisspielen ist unter Einhaltung bestimmter Regeln möglich.
  • Künstliche Gelenke können aber unter gewissen Umständen oder bei Verwendung bestimmter Materialpaarungen auch Probleme machen, abnützen oder vorzeitig verschleißen. Dies betrifft vor allem Kunstgelenke, die bereits vor mehr als 10-15 Jahren (oder länger) implantiert wurden. Obwohl dies normalerweise erst nach vielen Jahren passiert, müssen dann in den meisten Fällen sog. „Wechseloperationen“, die allerdings nur sehr selten minimalinvasiv möglich sind, durchgeführt werden. Dies ist mit den heutigen Erfahrungen und Techniken, sowie nach sorgfältiger Planung durch den Arzt Ihres Vertrauens  aber mittlerweile zur Routine geworden. Auch nach derartigen Verläufen ist eine vollständige Wiederherstellung der Funktion möglich.

Bitte beachten Sie, dass sich medizinische Indikationen und Therapien ständig ändern. Teilweise erfolgen diese Veränderungen rascher, als ich zeitlich imstande bin, meine Homepage zu aktualisieren. Manche Informationen zu Dosierung, Verabreichung und Zusammensetzungen von Medikamenten können sich inzwischen geändert haben. Das Lesen einer Internetseite kann den Besuch beim Arzt nicht ersetzen - es kann sein, dass Ihnen bei einer Untersuchung und anschliessenden Besprechung durch Ihren Arzt auch andere Informationen durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse mitgeteilt werden.