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MEDIKAMENTÖSE THERAPIE bei Gelenksschmerzen und Knorpelschäden:

Bitte beachten Sie, dass ich hier Nahrungsmittelergänzungen und Medikamente aufzähle, die Ihnen helfen können – aber nicht müssen. Manche dieser Substanzen werden als Geheimmittel in Läuferkreisen angepriesen, ohne dass seriöse Studien die Wirkung tatsächlich belegen. Hier gilt: man kann vieles selber ausprobieren – schädlich sind die Substanzen nach derzeitigen Wissensstand sicher nicht.

Ich empfehle derzeit als Knorpelaufbaukur eine 6-monatige Therapie mit Orthomol Arthro Plus. In diesem Kombinationspräparat ist alles enthalten was ich früher einzeln oder als Kombination verschrieben hatte (s. die unten angeführten Präparate) + Vitamine und Spurenelemente aus der orthomolekularen Medizin.
Diese Therapie mit Orthomol Arthro Plus hat sich vor allem bei Marathonläufern bewährt, die oft über Knorpelschmerzen infolge der hohen Belastung klagen – aber auch bei den Patienten, die ich mit Knorpelschäden operieren musste.
Von den Knorpelaufbauspritzen halte ich persönlich wenig: die Punktion ist schmerzhaft, es können Gelenksinfektionen auftreten – und die Wirksamkeit ist umstritten. Auch konnte ich bis jetzt nicht verifizieren, dass es Patienten nach einer Spritzenkur besser ging, als nach den Medikamenten, die man einfach schlucken kann.

Weitere Medikamente:

  1. CONDROSULF (Chondroitinsulfat)


    Der Knorpel als schützende Gleitfläche zwischen den Knochen enthält viele verschiedene Substanzen. Er besteht aus Zellen und einer Grundsubstanz, die von den Knorpelzellen produziert wird. Chondroitinsulfat ist einer der Hauptbestandteile der Knorpelgrundsubstanz. Dieser Stoff hemmt die Tätigkeit der knorpelabbauenden Eiweisse (Enzyme). Die Einnahme von Chondroitinsulfat soll die Neusynthese von Knorpelgrundsubstanz fördern und den Knorpel widerstandsfähiger machen. Chondroitinsulfat ist ein Naturprodukt und wird wie die Hyaluronsäure aus dem Tierreich gewonnen, entweder von Fischen (Präparat Condrosulf®) oder von Hühnern (Präparat Structum®)

    Beide Medikamente werden in der Regel als Kur über einen Zeitraum von 3 Monaten eingenommen, ein- bis zweimal pro Jahr. Damit eine Behandlung mit Chondroitinsulfat sinnvoll ist, muss reaktionsfähiger Knorpel vorhanden sein. Aus diesem Grunde werden diese Präparate sinnvollerweise vor allem im frühen Stadium einer Arthrose eingesetzt, oft auch bei wachstumsbedingten Knieschmerzen bei Jugendlichen.

  2. HYALURONSÄURE

    
Zur Hyaluronsäure gibt es inzwischen sehr viele Studien. Hyaluronan, das Natriumsalz der Hyaluronsäure, ist ein zuckerartiges Molekül, auch Polysaccharid genannt. Hyaluronan ist in seinem molekularen Aufbau eine lange Kette aus vielen gleichen Gliedern und ein wichtiger Bestandteil der Gelenkflüssigkeit Es wird von den Zellen der Gelenkschleimhaut gebildet, in die Gelenkhöhle abgegeben und ist dort mitverantwortlich für die Schmierung des Knorpelbelages. Die Länge der Hyaluronan-Ketten beeinflusst die Schmiereigenschaften (Viskoelastizität) des entsprechenden Präparates.

    Wirkungsmechanismus

    Ein genauer Wirkungsmechanismus lässt sich für die Hyaluronsäure nicht beschreiben. Es wurde allerdings festgestellt, dass in arthrotischen Gelenken die Hyaluronsäurekonzentration deutlich geringer ist als in gesunden Gelenken. Die Injektion von Hyaluronsäure in das betroffene Kniegelenk soll nun die Gelenksschmierung verbessern. Hyaluronan hat zudem eine entzündungshemmende Wirkung.

    Nebenwirkungen

    Die Herstellung der Hyaluronsäure ist unterschiedlich. Zum einen wird die Substanz aus Hahnenkämmen gewonnen, wodurch die Injektionslösungen Fremdeiweiße enthalten können. Wenn Fremdeiweiße in das Blut gelangen, besteht generell die Gefahr, dass Überempfindlichkeitsreaktionen ausgelöst werden. Allerdings bestehen aber auch andere Möglichkeiten, Hyaluronsäure herzustellen. Ein Beispiel hierfür ist die fermentative Produktion, also die Herstellung mit Hilfe von Enzymen. Inwieweit sich die unterschiedlich hergestellte Hyaluronsäure in Bezug auf ihre Wirkung unterscheidet, kann derzeit nicht sicher beurteilt werden.

    Lokal kann es an dem behandelten Gelenk zu Begleiterscheinungen kommen, wie Schmerzen, Hitzegefühl, Rötungen und Schwellungen. In seltenen Fällen wurden Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet.

Nahrungsergänszungsmittel:

  1. KOLLAGEN-HYDROLYSAT

    Ein funktionierender Knorpel braucht sowohl ein enges Netz von kollagenen Fasern zur inneren Festigung und zum Nährstofftransport als auch eine dichte Grundsubstanz, die vor allem aus Glucosaminen aufgebaut ist. Ein erhöhter Kollagenbedarf besteht bei Sportlern, in Berufen mit starker Gelenkbelastung sowie in Rehabilitation und Wachstum. Eine Nahrungsergänzung mit Kollagen soll dem Körper nun genau die Aminosäuren geben, die für den Kollagenaufbau gebraucht werden. Durch radioaktiv markiertes Kollagen-Hydrolysat konnte man im Tierversuch den Beweis erbringen, dass Kollagen-Bruchstücke tatsächlich im Knorpel eingebaut wurden.

    Weitere Studien zeigten, dass Patienten mit leichter Arthrose, die mit Kollagen-Hydrolysat behandelt wurden, nach etwa vier bis sechs Wochen von einer besseren Beweglichkeit ihrer Gelenke und von einer Schmerzlinderung berichtet hätten. Wissenschaftlich ist die Wirkung allerdings nicht mit prospektiven Doppelblindstudien abgesichert.

    Nahrungsergänzungs-Mittel mit Kollagen-Hydrolysat sind als Trinkampullen aber auch als Pulver in Drogerien und Apotheken erhältlich.

  2. GLUCOSAMIN-SULFAT


    Glucosamin ist ein wesentlicher Baustein der Proteoglycane (Glukosaminoglykane), jener Proteine, die Wasser im Knorpelgewebe binden, damit dieses seine dämpfende Wirkung behält. Als wichtiger Baustein der Gelenkschmiere sollen sie für deren Zähflüssigkeit verantwortlich sein. So erhalten die Glukosaminoglykane die Gleitfähigkeit der Gelenke, unterstützen die Nährstoffversorgung der Gewebe in den Gelenken und haben damit eine wesentliche Funktion bei der Erhaltung und Regeneration des Knorpelgewebes. Außerdem unterstützen Glukosaminoglykane Aufbau und Struktur des Bindegewebes.

    Glucosamin wird in der Form von Glucosaminsulfat eingenommen. Inzwischen gibt es bereits eine Menge Kombinationspräparate am Markt, die Chondroitinsulfat und Glucosaminsulfat enthalten – sodaß man nur eine Tablette einnehmen muss. Wenn man keine Tabletten mag, kann man Glucosamin auch in Form des Grünlippmuschel-Extraktes einnehmen (junge Hunde bekommen zum Knorpelaufbau sehr oft Grünlippmuschelextrakt, dieses wird aber auch in Läuferkreisen hoch geschätzt).

  3. GRÜNLIPPMUSCHEL-EXTRAKT


    Wirkweise des Grünlippmuschel-Extraktes: Neben Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen enthält das Fleisch der Grünlippmuscheln viele Aminosäuren und einen hohen Anteil an zuckerähnlichen Stoffen, den Glukosaminoglykanen (Wirkung s. oben). Zusätzlich zu Erhalt und Aufbau der Gelenkschmiere und des Bindegewebes gibt es einen weiteren Aspekt bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen: die entzündungshemmende Wirkung des Grünlippmuschel-Extraktes. Diese wird den in der Muschel enthaltenen Omega-3-Fettsäuren zugeschrieben. Sie hemmen die Synthese von Prostaglandinen aus Arachidonsäure und können so entzündlichen Prozessen entgegenwirken.

    Viele Menschen schwören auf Grünlippmuschel-Extrakt bei unspezifischen Gelenksschmerzen und diffusen Knorpelschäden. Wissenschaftlich ist die Wirkung allerdings nicht mit prospektiven Doppelblindstudien abgesichert.

  4. ACKERSCHACHTELHALM-KONZENTRAT


    Dieses enthält sehr viel Silizium. Das Silizium aus dem Ackerschachtelhalm-Konzentrat soll sowohl die körpereigene Kollagenbildung als auch die körpereigene Bildung der Grundsubstanz (Förderung der Glucosaminbildung) unterstützen. Besonders erfolgreich soll die Kombination von Ackerschachtelhalm-Konzentrat mit Kollagen-Hydrolysat sein.

    Auch hier gilt, dass die Wirkung nicht mit prospektiven Doppelblindstudien abgesichert ist.