Textgröße: A A A

Therapie-Tipps im chronischen Stadium

Im chronischen Stadium sieht die Therapie etwas anders aus. Die besten Ergebnisse erzielt man in diesem Stadium mit einer Kombination aus täglichen exzentrischen Muskelübungen, podologischen Einlagen (die v.a. im täglichen Leben getragen werden sollten) und Physiotherapie - in Kombination mit dem Repuls Tiefenstrahler (s.o.).

Exzentrische Muskelübungen

Es hat sich in einer schwedischen Studie gezeigt, dass Patienten mit chronischen Achillessehnenbeschwerden diese innerhalb von 12 Wochen zur kompletten Besserung brachten, wenn sie die exzentrischen Übungen konsequent durchführten. Erstaunlich war, dass alle diese Sportler bereits seit zwei Jahren therapieresistente Beschwerden gehabt hatten.

Dabei steht man mit den Fußballen auf einer Treppe und geht dann mit der Ferse nach oben (dazu kann man zur Hilfestellung ruhig auch den anderen Fuß dazunehmen) – danach geht man mit der Ferse langsam nach unten, und senkt sie soweit ab wie nur möglich (dabei wird die Achillessehne massiv gedehnt – es wurde von den Autoren sogar empfohlen, sich einen schweren Rucksack umzuschnallen, damit man mit mehr gewicht in die Dehnung kommt – das halte ich persönlich allerdings für etwas übertrieben… entscheidend ist das Dehnen, nicht das Heben der Ferse – daher auch exzentrische Muskelübung).

Die exzentrischen Muskelübungen bewirken einerseits, dass die kleinen Gefäße absterben (und damit auch die schmerzenden Nervenendigungen) – andererseits wird durch die exzentrischen Muskelübungen vermehrt Typ-1-Kollagen produziert, wodurch die Sehne heilt und kräftiger wird.

Allerdings dauert es oft Monate, bis es tatsächlich zu einer Beschwerdebesserung kommt – und das ist natürlich für jeden begeisterten Läufer sehr deprimierend, denn in dieser Zeit ist Laufen strikt verboten…

Cortison Injektionen

Mit Cortison sind nur bei wirklich therapieresistenten chronischen Fällen indiziert – doch ist die Besserung unter Cortsion oft schlagartig und nachhaltig. Cortison führt zu einer exzellenten Hemmung der Entzündungsreaktion (und hat damit seinen Platz in der Therapie von bestimmten Beschwerdebildern), und zu einem Absterben der kleinen Gefäße, damit auch der schmerzenden Nervenendigungen – und damit zu einer raschen Schmerzfreiheit.

Allerdings kann es auch zu einer Verschlechterung der Durchblutungssituation der Sehne kommen, wenn man das Cortison zu knapp an die Sehne oder sogar in die Sehne spritzt -und damit zum Absterben von mikroskopisch kleinen Sehnenanteilen, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines späteren Achillessehnenrisses deutlich steigt. Die kritiklose und oft falsche Infiltration direkt in die Achillessehne hat - durch die hohe Komplikationsrate – dazu geführt, dass manche Ärzte die Applikation von Cortison völlig ablehnen (diese Einstellung ist auch nicht korrekt: die Gabe von Cortison (wie von jedem anderen Medikament auch) muss sorgfältig abgewogen werden. Öfter als zweimal (innerhalb kurzer Zeit) sollte man sich daher nicht mit Cortison infiltrieren lassen – da ist es vermutlich vernünftiger sich einer kleinen Operation zu unterziehen, um die entzündeten Gewebsanteile minimal invasiv zu entfernen.

Bitte beachten Sie, dass sich medizinische Indikationen und Therapien ständig ändern. Teilweise erfolgen diese Veränderungen rascher, als ich zeitlich imstande bin, meine Homepage zu aktualisieren. Manche Informationen zu Dosierung, Verabreichung und Zusammensetzungen von Medikamenten können sich inzwischen geändert haben. Das Lesen einer Internetseite kann den Besuch beim Arzt nicht ersetzen - es kann sein, dass Ihnen bei einer Untersuchung und anschliessenden Besprechung durch Ihren Arzt auch andere Informationen durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse mitgeteilt werden.